Lange war ich mir nicht so unklar, was genau die Autorin mir mit ihrem Buch sagen möchte. Ist es mir noch immer nicht. Das Verkehr mit Minderjährigen ein NoGo ist, darüber brauchen wir nicht reden. Dass es Menschen gibt, die es leider trotzdem tun ist bekannt. Thema dieses Buches ist ein anderes. Autorin Lisa Müller möchte mit diesem Buch ihre Vergangenheit aufarbeiten, ihr frühe Jugend verarbeiten. Wer aber erwartet, sie wurde gezwungen, sich zu prostituieren und Mitleid hat, wird sich wundern.
Wie kommt eine 14jährige auf die Idee, sich Bestätigung und Bewunderung durch das Schlafen mit Männern zu erhoffen? Lisa Müller erzählt, sie brauchte Geld und da kam ihr die Idee, sich ein paar Freier zu suchen. Das war nicht sonderlich schwer und sie bessert ihr Taschengeld enorm auf. Den Eltern sei nichts aufgefallen. Die Mutter hat nicht gemerkt, wenn die Tochter über extrem viel Geld verfügte, immer die neuesten Klamotten trug und nächtelang nicht heim kam. Nun, meine Mutter wusste früh immer genau, wann ich zu Hause war und viele andere Mütter auch. Warum fühlt sich Lisa ungeliebt und hat diesen extremen Drang zur Selbstbestätigung? Es gibt viele Scheidungskinder und diese kommen nicht auf die Idee, sich zu prostituieren. Oft genug hatte sie sogar Spaß daran, beschreibt, wie sie dringend einen neuen Freier brauchte. Nur daran, dass sie der Meinung war ein paar Kilo zu viel zu haben und sich diese abhungerte, kann es auch nicht gelegen haben. Ebenfalls ein weit verbreitetes Thema unter Jugendlichen.
Alle Jugendlichen testen sich und ihre Grenzen aus. Probieren Alkohol, haben die ersten Sexualpartner und einige versuchen auch Drogen. Doch in diesem Buch ist alles Spaß und Fun. Sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinken gehört dazu wie ein Quickie mit irgendjemandem der gerade anwesend ist. Notfalls wird auch jemand genommen, den man eigentlich gar nicht toll findet. Egal, Hauptsache einen **** im Mund. In noch keinem Buch habe ich so oft das Wort Schwanz gelesen. Und wie toll und mit welcher Begeisterung Lisa Müller Hand an diese legt und sich über das aus ihrer Sicht leicht verdiente Geld freut, so schlimm kann alles nicht gewesen sein.
Dieses Buch hat für mich keinerlei Glaubwürdigkeit. Im Vorwort spricht Frau Müller davon, sie würde alles wieder genauso machen, fast alles und im Schlusswort ein paar verachtende Worte an ihre Freier. Nur, so verwunderlich es klingen mag, ihre Jugend hat sie sich selbst zerstört. Sie ist selbst aktiv auf die Freier zugegangen, hat es mit ihnen freiwillig getrieben. Wenn es gerade kein Freier war, dann halt ein Bekannter, Freund oder wer gerade zur Verfügung stand. Ein schlechter Plan, mit diesem schlecht geschrieben Schulaufsatz Geld verdienen zu wollen. Wäre die Erfahrung wirklich so schrecklich und sie so zerstört, warum dann der Plan, ein Dominastudio zu eröffnen? Sind die ständigen gestellten Fotos im Buch schon für eventuelle Kunden?
Ich bemühe mich eigentlich immer fair dem Autor gegenüber zu bleiben, auch wenn mir ein Buch nicht gefallen hat. Doch hier wird versucht, dem mitleidigen Leser Geld aus der Tasche zu ziehen. Frau Müller beschimpft ihre Freier als Freierschweine, sie war ja so jung und konnte nicht wissen, auf was sie sich einlässt. Aber um die Anzeigen zu schalten und auszurechnen, wie viele Freier für ein bestimmtes Objekt der Begierde benötigt werden, dazu war sie nicht zu jung?
Selbst in der Bravo meines Sohnes wird dieses Buch beworben. Lesen die Redakteure die Bücher vorher nicht? Sollten sie vielleicht tun.
Erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf.
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