Wir haben Pubertät

Tagtäglich sehe ich in meiner Facebooktimeline Beiträge von Mamiblogs über Stillen, Wachstumsschübe und die sichersten Kindersitze. Ich weiß eine Menge über Reboarder und kenne die besten Kriterien für Tragetücher. Ja, ich lese diese Beiträge manchmal. Was ich vermisse, sind Blogs über Teenager. Werden die Kinder von Mamablogs nicht groß und pubertieren? Fragen sich andere Eltern nicht “Was ist mit meinem Kind los?”

Mit pubertieren meine ich nicht kleine alltägliche Diskussionen mit dem Kind. Die sollen sein und sind auch wichtig für die Entwicklung des Nachwuchses. So sehr sie mich manchmal auch anstrengen. Ich meine diese Emotionsschwankungen, die Eltern oft ratlos machen. Ein Beispiel: Ich stehe in der Küche und mein fast 16jähriger Sohn kommt herein. Er kommt auf mich zu lehnt seinen Kopf an meine Schulter und nimmt mich in den Arm. Die Zeit des Kuschelns mit Mama ist lange vorbei. Als seine Mama genieße ich es, wenn er dann doch einmal für einige Minuten meine Nähe sucht. Wenige Minuten später sage ich ihm etwas völlig Belangloses. Etwa „Ich fahre mit Erbse (unsere Hündin) zum See. Magst Du mitkommen?“ Seine Antwort: „Lass mich in Ruhe.“ Wo war der Moment, den ich verpasst habe, als seine Stimmung kippte? Und warum?

Oder wehe man möchte etwas erledigt habe. Dinge, wie Kleidung aus seinem Zimmer in die Schmutzwäsche schaffen. Das klappte bis vor wenigen Monaten super. Irgendwann holte ich mir immer öfter die Sachen zum Waschen aus seinem Zimmer. Egal, wie oft ich darauf hinwies, dass er seine Klamotten bitte aufzuräumen hat, er tat es nicht. Gut, ich habe nur noch die Kleidung gewaschen, die sich in der Schmutzwäsche befand. Fand er doof, seine Wäsche zur Waschmaschine zu bringen hielt aber nur kurze Zeit an.

Duschen! Was geht in Teenagern vor, dass sie plötzlich und über Nacht eine Wasserphobie entwickeln? Man sie förmlich mit Handyentzug erpressen muss, um sie zur Körperpflege zu bewegen? Aber liebe Leidensgefährtinnen, es kommt der Tag, an dem geht der Sohn völlig ohne Druck am Sonntagmorgen duschen. Ich habe es freudig zur Kenntnis genommen. Ist der Grund ein vielleicht ein Mädchen? Leider war dieser Anfall von plötzlicher Reinlichkeit bislang ein einmaliges Vorkommnis. Aber jedes Mal beim Einkaufen ein Duschbad oder ein Deo brauchen. Zumindest lässt es hoffen.

Egal was ich sage, mein Sohn ist schon aus Prinzip anderer Meinung. Mittlerweile entschärfen wir solche Situationen, in dem einer von uns das Zimmer verlässt. Ihm ist danach auch bewusst, dass mir sein Verhalten manchmal sehr nahe geht und entschuldigt sich dafür. Es gibt leider keine Ratgeber oder Gebrauchsanleitungen für pubertierende Teenager. Genauso oft, wie wir verschiedener Meinung sind, lachen wir auch zusammen. Wenn er dann zu mir sagt „Du bist eine coole Mama, mit Dir kann man super Spaß haben.“, dann ist es wie eine Umarmung. Und er geht mit mir ins Kino 😀 . An solche Dinge denke ich dann, wenn die Pubertät wieder zuschlägt. Wenn sein Vater oder ich manchmal laut feststellen „Ok, es ist Pubertätzeit.“, dann muss er oft selber lachen. Manchmal fühlt er sich auch ungerecht behandelt und geht in sein Zimmer.

Meine Oma sagte immer „Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Jetzt verstehe ich, was sie meinte.

Einen Tipp habe ich für alle Eltern von pubertierenden Kindern – lasst euch nicht auf Machtkämpfe ein. Manchmal ist es klüger, den Nachwuchs einen „Sieg“ erringen zu lassen. Am Ende tun sie meistens doch, was man von ihnen will. Nur der Weg dahin, den sollten wir mitbestimmen dürfen.

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