Wie mich diese Diskussion nervt. Die Buchwelt ist erschüttert. Es gibt Blogger, die bekommen Geld dafür, dass sie einen Beitrag über ein Buch verfassen! Eine Buchvorstellung, eine Rezension oder einfach nur einen Beitrag über ein Thema, mit welchem sich ein Buch beschäftigt. Erschreckend. Furchtbar.

Eines vorweg – ja, auch ich blogge manchmal für Geld. Wenn mich ein Beitrag anspricht und das Thema zu meinem Blog passt. Warum auch nicht? Ungefähr vierzig Prozent aller Anfragen lehne ich ab, weil sie nicht zu mir und meinem Blog oder meinen Prinzipien passen. Allerdings sind 98 Prozent meiner Beiträge nicht bezahlt. Vielleicht wäre es mir sogar möglich, einen glaubhaft wirkenden Beitrag über Motoröl zu schreiben. Wer mich kennt würde aber schnell merken, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe. Beiträge über Bücher schreibe ich schon lange. Wenn also ein Verlag oder eine Agentur anfragen, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit habe, warum soll ich ablehnen? Weil ich Geld dafür bekomme? Wieso soll sich ein Blogger seine Arbeit nicht bezahlen lassen? Ein Blog ist Arbeit! Ein Beitrag ist nicht in zehn Minuten getippt. Ein Taschenbuch zu lesen dauert im Schnitt vier bis sechs Stunden. Nicht zu vergessen die Kosten für das Hosting.

Mich verwundert dieser Aufschrei der Buchblogger. Bezahlte Blogposts sind nichts Neues. Es gibt sie in der Fashion- und Beautybranche, aber auch schon immer über Bücher. Neu ist vielleicht, dass Bücherbeiträge nicht mehr nur auf buchfremden Blogs, sondern auch auf reinen Buchblogs bezahlt werden. Warum war das bisher anders? Die Antwort ist leicht. Reichweite. Die Reichweite eines reinen Buchblogs ist um Einiges geringer, als die eines Mamablogs, Familienblogs oder Fashionblogs. Was viele immer vergessen – auch die Blogger von Mama- Beauty- Fashion oder Fotoblogs sind Leser. Daher sind sie perfekte Werbeträger. Auch mit Kennzeichnung als gesponsorte Posts werden diese Buchempfehlungen gelesen! Sie werden ihnen geglaubt. Warum auch nicht?

Jetzt zum großen WARUM. Warum haben Buchblogger und viele Autoren ein Problem damit, wenn Beiträge über Bücher bezahlt werden? Solche Aktionen laufen meist über Agenturen. Denen ist wichtig, wie viele Worte ein Beitrag hat und die Anzahl der Bilder. Rechtschreibung, SEO und Keywords. Manchmal Hashtags. Also Reichweite und Sichtbarkeit für das Produkt. So hart diese Erkenntnis einige treffen mag, ein Buch ist ein Produkt. Ich weiß, wieviel Herzblut Autoren in ihre Babys stecken und das sie diese ungern als ein schnödes Produkt sehen. Es ist aber nun einmal so. Und dieses Produkt will vermarktet werden, benötigt Werbung. Damit sind wir wieder bei Reichweite. Ein gutes Buch schreiben reicht – leider – nicht aus.

An diesem Punkt kommen die Blogger ins Spiel. Sicher kann man als Verlag Bücher kostenlos als Rezensionsexemplare verschicken. Diese Bücher werden auch besprochen. Nutzen diese Besprechungen dem Verlag etwas? Selten. Hier macht es wahrscheinlich die Masse. Reichweite bringen diese Blogs in den meisten Fällen keine. Warum nicht? Einfach erklärt. Die Blogs sind zu klein. Predigt man SEO bekommt man zur Antwort „Interessiert mich nicht. Ich blogge nur für mich. Mir ist egal, ob jemand meinen Blog findet.“ Fragt man nach sprechenden Links – Was ist das? Ach auch egal. Metadescription – nie gehört. Impressum – fehlt. Was also als Agentur oder Verlag tun? Bei den Blogs mit etwas mehr Reichweite anfragen. Mediakits lesen, Kooperationen anbieten. Dort gehen die Verhandlungen meist recht schnell. Die Blogger wissen, was sie wollen und was sie nicht wollen. Es gibt Portale, auf denen können sich Blogger für gesponsorte Beiträge mit Bezahlung bewerben. Der Kunde – in dem Fall der Verlag – entscheidet mit, welche Blogs ausgewählt werden. Der Blogger bekommt genaue Anweisungen, wie viele Wörter und Bilder, welche Keywords in dem Beitrag stehen sollen. Nicht in dieser Anweisung steht, wie dem Blogger das Buch gefallen soll! Ich habe auch schon eine negative Buchbesprechung bezahlt bekommen. Sie war sachlich und enthält meine persönliche Meinung. Begründet. So kann der Leser entscheiden, ob ihn die Kritikpunkte stören würden oder nicht.

Für mich persönliche ist diese Diskussion um das Bezahlen von Beiträgen zu Büchern zwar nötig, aber zeitlich noch zu früh. Auf meiner Pinnwand auf Facebook wurde mir in den Kommentaren gewünscht „mir möge alles was ich tu um die Ohren fliegen“ und andere nette Sachen. Ich habe keinen reinen Buchblog. Falle also in die Zielgruppe der Agenturen und Verlage, die Blogger für Buchbesprechungen suchen.

Viel wichtiger ist für mich, dass Blogger aufwachen und sich ihres Wertes für Werbung und Marketing bewusst werden! Niemand sagt, jede Rezension soll bezahlt werden. Niemand sagt, Selfpublisher sollen Rezensionen bezahlen. Ebenso sagt niemand, es soll und wird keine Rezensionen mehr geben, die nicht bezahlt sind. Es wird weiterhin beides geben. Genauso wie es weiterhin Blogger geben wird, die professioneller auftreten als andere. Jeder Blogger sollte sich irgendwann bewusst machen, wo er mit seinem Blog hin will. Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen?

Ich sage Bloggern immer wieder, sie sollen sich ihren Blog nicht immer nur vom Dashboard aus anschauen, sondern auch einmal aus der Sicht eines Besuchers. Auf einen Blog gehört ein Impressum! Wer einen Blog schreibt, will gelesen werden. Sonst schreibt Tagebuch! Wer gelesen werden will kommt an SEO nicht vorbei! Es reicht auch nicht, wenn immer nur befreundete Blogger Deinen Blog besuchen. Sie sind keine potentiellen Käufer, da sie selbst Rezensionsexemplare beziehen. Hier schließt sich der Kreis, warum kleine Buchblogs wirtschaftlich gesehen für Marketingaktionen manchmal nicht in Frage kommen.

Gesponsorte Beiträge gehören gekennzeichnet. Selbst für Rezensionsexemplare. Denn auch sie sind eine Form der Bezahlung und nicht nur Arbeitsmittel. Das Finanzamt nennt dies einen geldwerten Vorteil. Leserunden sind richtig teuer, Blogtouren werden oft auch bezahlt (meine nicht). Die Bezahlung eines Beitrages richtet sich nach der zu erwartenden Reichweite.

Ich werde diese Diskussion mit Spannung verfolgen, mich aber nirgendwo mehr rechtfertigen, warum, wieso und weshalb ich gelegentlich bezahlte Beiträge schreibe. Wenn mich das Leser kostet, dann soll es so sein. Es ist mein Blog und ich werde mich nicht verbiegen, um anderen zu gefallen.

Mein Blog – meine Meinung. Daran ändert auch Geld nichts. Denn dann kann man seinen Blog offline nehmen.

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