Lange war ich wegen der vielen reziproken Verlinkungen und dem fast als Linkspam zu bezeichnenden Verlinken gegen Blogtouren. Mit Yasmin haben wir einige Zeit überlegt, wie man eine Blogtour ohne diese selbstmörderischen Verlinkungen ablaufen lassen könnte. Eine wirklich brauchbare Möglichkeit hatten wir nicht. Also musste ein seperates Blog nur für Blogtouren her. Erstaunlich war, das die Domains .de und .com beide noch zu haben waren. Jetzt nicht mehr, was auf einigen Unmut stieß und zu Fragen wie „warum musst Du gleich de und com nehmen“. Weil ich es kann. Aber hey, sie waren frei. ☺ Eine dazu passende Fanpage war schnell ins Leben gerufen.

Beide waren keine 24 Stunden online, da wurde ich ausgefragt, was ich denn mit dem Blog und der Seite vorhabe. Blogtouren machen reichte als Antwort nicht. Ich erklärte es, wie es ist – was man an Verlinkungen bei einer Blogtour manchmal zu sehen bekommt ist für das Blog suizidal. Schien eine unbefriedigende Antwort zu sein. Damals war ich mir dem Ausmaß der Frage noch nicht bewusst.

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

Nach der ersten sehr gut verlaufenden Blogtour, die super bei den Lesern ankam und Bloggern wie Autorin viel Spaß gemacht hat, kamen einige Autoren auf mich zu und fragten, ob ich Interesse an einer Blogtour hätte. Sicher doch, insofern die Autoren sich etwas gedulden. Mehr wie eine Tour im Monat schaffe ich nicht. Oft wurde ich gefragt, was eine solche Blogtour kostet. Nichts. Mir war neu, das man dafür Geld verlangen kann und tut. Zugegeben, so eine Organisation macht Arbeit und kostet Zeit. Ist es doch aber eine schöne Möglichkeit für Blogger und Autor sich im kleinen Kreis über ein Buch auszutauschen, alles in verschiedenen Beiträgen zusammenzufassen und der Leserschaft mitzuteilen. Verlosungen gibt es obendrein auch noch.

Noch immer machte ich mir keine Gedanken. Bis ich letzte Woche folgende Mail bekam:

„Liebe Britt, bitte entschuldige, das ich dir anonym schreibe. Vor einiger Zeit habe ich auch an Blogtouren teilgenommen. Die Bloggerin die organisierte bekam für eine Blogtour 70,00 € von dem Verlag. Zusätzlich hat sie ca. 100 € erhalten, von denen sie Goodies in die Buchpäckchen für die Blogger kaufen sollten. Ich weiß von Bloggern von Deinen Blogtouren, das sie keine Goodies bekommen, die Bücher ab direkt vom Verlag kommen oder vom Autor. Bekommst Du kein Geld dafür oder behältst Du das auch einfach für Dich?“

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

JETZT hat es klick gemacht. Ich machte mir die Mühe und verglich alle IP Adressen der bisher in meinem Blog erfolgten Kommentare. Und siehe da, ich fand diejenige, die mir diese anonyme Mail über die Kommentarfunktion geschrieben hat. Natürlich schrieb ich sie direkt an und habe mir die Sache näher erklären lassen. Was sie zu erzählen wusste hat mir die Sprache verschlagen. Ich fragte einige andere, die schon einmal ähnliches angesprochen hatten, ich mir aber keine Gedanken darüber machte. Aus so Bloggerklatsch versuche ich mich gern herauszuhalten. Die Nachrichten dazu glichen alle in denselben Punkten. Da hat sich jemand fleißig bereichert. Ob ich es moralisch für vertretbar halte Geld für Blogoturen zu nehmen sei dahingestellt. Von einem Autor nicht, aber von einem Verlag hätte ich da auch keine Schmerzen. Marketing ist teuer.

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

Blogtouren – Just for fun oder bescheissen von Bloggern

Mich beschäftigte etwas anderes. Wenn ein Verlag eine Agentur (die Aufmachung der Webpräsenz dieser sei mal dahingestellt) mit einer Blogtour beauftragt, sind dann die Blogger, die an dieser Blogtour teilnehmen freie Mitarbeiter? Bekommt man als ein solcher nicht ein Honorar? Nun dürfen die meisten Blogger kein Geld verdienen, da sie kein Gewerbe haben. Somit ist der Gedanke, ihnen in Form von kleinen Geschenken oder Gutscheinen ein Dankeschön zu sagen, eine nette Geste. Diese Gelder einfach für sich zu behalten ist ein absolutes NOGO. Was aber, wenn der Blogger gar nicht weiß, das jemand anders mit ihm seinen Lebensunterhalt verdient? Nicht weiß, das er als billige Arbeitskraft ausgebeutet wird? Man kann jetzt sagen, der Blogger bekommt das Buch. Das bekommt er allerdings auch, wenn er den Verlag um ein Rezensionsexemplar bittet. Da schreibt er eine Buchbesprechung und hat keine weitere Arbeit.

Kurzum – ich finde es eine bodenlose Frechheit, Blogger derart auszunutzen, sich zu bereichern und ohne jeden Anflug von schlechtem Gewissen weiterhin für sich arbeiten zu lassen. Nichts anderes ist es. Ausbeutung. Genauso frech ist es, sämtliche Buchbesprechungen eines Verlages alle zu löschen, nur weil der Verlag nicht für die Blogtouren bezahlen möchte. Das wird sich mit Sicherheit herumsprechen, hoffe ich. Warum nicht einfach sagen “hey, ich habe eine Agentur, die Blogtouren veranstaltet. Lieber Blogger, magst Du ein Buch und an einer solchen Blogtour teilnehmen? Aber ich Chef – Du hast nix zu melden.”

Ja, ich habe auch eine Kaffekasse eingebunden. Vielleicht füllt sie sich irgendwann, um ein paar Bloggern eine Weihnachtskarte zu schicken, Einfach so. Weil ich es kann und es gern tun möchte. Die Kaffeekasse ist nicht dazu da, mich zu bereichern. Das nur als Anmerkung, ehe es da Spekulationen gibt.