Es ist schon einige Zeit her, seit ich beim ersten Elternabend diesen Schuljahres erwähnte, irgendwo gelesen zu haben, das der Weg von der Schule zum Sportunterricht und zurück als Unterrichtszeit angerechnet werden müsse. Die Klassenlehrerin meinte dazu nur, dem sei nicht so und sie hätte schon gesehen, das mein Sohn in der Lage sei zu laufen. Sehr witzig. Wenn sie versucht mich vor den anderen Eltern lächerlich zu machen, wie geht es erst bei den Kindern zu? In der Grundschule hatte ich dieselbe Frage ebenfalls bei einem Elternabend gestellt. Ab diesem Zeitpunkt waren die Schüler immer pünktlich zum Ende des Sportunterrichtes wieder an der Schule. Es ist schon sehr eigenartig , das in ein und derselben Stadt verschiedene Schulgesetze gelten sollen. Die Klasse meines Sohnes hat Mittwochs in der 5. und 6. Stunde Sportunterricht. Die 6. Stunde ist 13.25 Uhr zu Ende. Vor 13.35 – 13.40 Uhr verlassen die Schüler nie die Sporthalle. Zurück zur Schule dauert noch einmal 15 Minuten, so dass der Unterricht an diesem Tag immer erst gegen 14.00 Uhr beendet ist. Wo bekommen die Schüler diese fast zusätzliche Unterrichtsstunde gutgeschrieben? Gar nicht. Aus Sicht der Schule zählt, laut Klassenlehrerin, der Weg zum und vom Sportunterricht nicht als Unterrichtszeit. Was aber ist es dann? Freizeit haben die Schüler da auch nicht. Sie sind ja in der Pflicht, diesen Weg zu gehen, da sie zum Unterricht müssen. Also ist dieser Weg zur Sporthalle Unterrichtszeit. Diese kann aber doch nicht einfach willkürlich verlängert werden. Wenn die Schüler 6 Unterrichtsstunden haben, dann erwarte ich mein Kind auch nach der 6. Stunde wieder an der Schule und nicht irgendwo in der Stadt. Schüler jeder Klassenstufe dürfen nur eine bestimmte Anzahl Unterrichtsstunden in der Woche haben.
Gehen wir zur Projektwoche. Messen und Zählen oder ähnlich spannend lautete das Thema. Im Zuge diese Projektwoche war ein Ausflug in einen Baumarkt vorgesehen. Eltern müssen darüber nicht informiert werden, wozu denn. Eines schönen Nachmittags klingelten bei einigen Eltern während der Arbeitszeit die Telefone und ihre aufgelösten 12jährigen teilten ihnen mit, sie würden in Görlitz am Toom Baumarkt stehen. Den verwunderten Eltern wurde mitgeteilt, die Lehrer seien mit den Schülern zum Baumarkt gelaufen und die Schüler hätten Aufgaben zu erfüllen gehabt. Im Anschluss wurde Unterricht vor dem Baumarkt für beendet erklärt. Alles kein Problem, wäre der Baumarkt nicht 2,5 km bis 3,2 km (je nachdem welche Strecke man läuft) von der Schule entfernt. Auch kein Problem, wären Eltern oder Schüler vorher darüber informiert gewesen und hätten die Möglichkeit gehabt, Fahrscheine für Bus und Bahn und Getränke einzupacken. Es ist eine Frechheit, die Schüler dort stehen zu lassen. Es war ein warmer Frühlingstag und auch 12jährige haben nach einem solchen Marsch Durst. Den ganzen Weg zurücklaufen zu müssen, ohne einen Tropfen Flüssigkeit, sind die Kinder dann 5,0 km unterwegs gewesen. Die Schule beruft sich darauf, die Eltern haben unterschrieben, das die Kinder alleine den Heimweg antreten dürfen. Sicher haben wir Eltern das getan. Bezugnehmend auf eine 15 Minuten entfernte Sporthalle und den dort in den letzten Unterrichtsstunden stattfinden Unterricht. Aber wir haben nicht unterschrieben, das unsere Kinder irgendwo in der Stadt „ausgesetzt“ werden ohne das die Eltern auch nur annähernd wissen, wo sich ihre Kinder befinden. Einige Schüler hatten ihr Handy dabei und konnten sich von den Eltern abholen lassen. Andere Kinder mussten den Rückweg zu Fuß antreten. Mein Sohn war an diesem Tag nicht in der Schule. Allerdings riefen einige erboste Eltern mich als Mitglied des Elternrates an und baten mich, eine Erklärung der Schule einzufordern.
Am darauffolgenden Tag war Elternratssitzung. Zu dem Thema wurde nur ausgeführt, die Eltern hätten unterschrieben, die Kinder dürfen alleine nach Hause gehen. Ich warte auf den Tag, an dem ein Ausflug in eine Nachbarstadt unternommen wird und mein Kind völlig verstört von dort anruft. Ist es wirklich so schwer, die Schüler eine Notiz in ihr Hausaufgabenheft machen zu lassen, das die Eltern ihnen am nächsten Tag eventuell einen Fahrschein und ein Getränk mehr mitgeben sollen?
Thema der Elternratssitzung war – mal wieder – ein Sportlehrer. Besagter Lehrer schreie die Kinder an und hetzte sie gegeneinander auf. Schon krasser Stoff, den der Elternrat der betreffenden Klasse vorgetragen hat. Dem Direktor der Schule sind die Handlungen des Lehrers bekannt gewesen und man versuchte, immer eine Aufsichtsperson mit zu den Unterrichtsstunden zu schicken. Das Schulamt soll eingeschaltet werden. Aus meiner Sicht gehören solche Lehrer ihres Dienstes verwiesen. So einfach sei dies jedoch nicht. Was mich fast noch mehr als das Handeln des Lehrers ärgert, ist eine Aussage des Direktors. Das das Wohlbefinden oder die Schüler überhaupt an dieser Schule keinem wirklich wichtig sind, das ist mir mittlerweile bekannt und mein Sohn durfte das mehrfach am eigenen Leib erfahren. Dem Direktor ist eines ganz besonders wichtig – der Ruf der Schule. Ist ihm wirklich nicht bewusst, wie schlecht dieser Ruf ist? Leider wusste ich das Alles,was ich heute weiß nicht, als ich mich entschied meinen Sohn auf diese Schule zu schicken. Jeder, den man trifft, der fragt „na, auf welche Schule geht Dein Kleiner?“, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er hört, auf welche Schule mein Sohn geht. Letztens traf ich eine Grundschullehrerin, die meinen Sohn in den ersten drei Schuljahren unterrichtete. Sie fragte auch nach, wo er denn jetzt zur Schule gehe. Ihre Reaktion trieb mir fast die Tränen in die Augen. „Sind sie denn verrückt? Warum haben sie sich vorher nicht erkundigt? Dies ist keine Schule für sensible Kinder.“ Das hatten wir mittlerweile auch festgestellt.
Man beruft sich ja so gern auf das Schulgesetz. Das dieses in Sachsen in manchen Dingen etwas anders ist als im Rest des Landes, das wissen wir ja schon. Aber auch im sächsischen Schulgesetz steht, das pro Schultag nur eine Klassenarbeit geschrieben werden darf. Mein Sohn war drei Wochen krank. Wieder gesund in der Schule wurde er aufgefordert, einige Leistungskontrollen und zwei Klassenarbeiten nachzuschreiben. Das in dieser Schule grundsätzlich und alles nachgeschrieben wird, über dessen Sinn kann man sich streiten. Wenn mein Kind allerdings an einem Tag zwei Klassenarbeiten nachschreiben soll, sehe ich das nicht ein. Gleiches Recht für alle. So schrieb ich der Klassenlehrerin eine Email mit der Bitte, für eine der Klassenarbeiten ein anderes Datum zu finden. Ansich sollte es kein Problem sein, dieser Bitte nachzukommen. Falsch gedacht. Über mehrere Emails musste ich diskutieren, warum mein Sohn nicht gesagt hat, das er an diesem Tag schon eine Arbeit schreibt. Hätte er tun können, hat er aber nicht. Da bereits Mittwoch Abend war, konnte ich daran auch nichts mehr ändern, so das diese Diskussion zu nichts führte. Hätte die Lehrerin, die ihm als letzte auftrug die Klassenarbeit an diesem Tag nachzuschreiben denn nicht im Klassenbuch sehen müssen, das er schon eine schreibt an diesem Tag? Oder wird so etwas nirgends eingetragen?
Mein Sohn ist oft krank, aber wenigstens nicht mehr weil er Angst hat vor der Schule. Ich stimme völlig mit der Schule überein, das die Schüler sich selbst um den versäumten Stoff kümmern müssen. Aber darf man erwarten, das die Schüler diesen schon können, wenn sie nach der Krankheit wieder zur Schule kommen? Ich denke nicht. Mein Sohn macht seine Schulaufgaben, sowie er frei von Fieber ist. Ein Mitschüler bringt ihm die Hausaufgaben und wir kopieren auch dessen Notizen. Es sind leider nur wenige Lehrer, von denen da eine Zuarbeit erfolgt. Vielleicht bin ich da auch verwöhnt aus der Grundschule. Dort hat man angerufen und mit jemandem abgesprochen, wann man sich den Schulstoff holt. Hatte man sich die Sachen abgeholt, waren sämtliche Arbeitsblätter dabei und ein Zettel, auf welchem alle Fachlehrer eingetragen hatten, was sie im Unterricht durchgenommen hatten bzw. was sich das kranke Kind anschauen sollte. Warum ist dies an der jetzigen Schule nicht möglich? Einen Zettel in das Klassenbuch zu legen und jeder Fachlehrer schreibt am Ende der Stunde kurz auf, was gemacht wurde? So kann dem kranken Kind nach Absprache alles weitergegeben werden. Denn Arbeiten nachschreiben fällt immer schlechter aus, als wäre der Schüler anwesend gewesen. Erst recht, wenn das Kind noch nicht wirklich Zeit hatte, den Stoff nachzuholen.
Sicher könnte ich meinen Sohn umschulen, was ich auch liebend gern tun würde. Aber er hat Angst, vom Regen in die Traufe zu kommen. Das kann ich ihm nicht verdenken, auch wenn ich von der ausgewählten Schule bisher nur Gutes gehört habe. Ehe er sich wieder den gesamten Schulweg übergeben muss vor Angst, lasse ich ihn lieber dort, wo er jetzt ist. Vielleicht kann ich ihn noch überzeugen.
Und nein, ich übertreibe nicht. Ich bin nach wie vor dafür, das jeder Lehrer regelmäßig in sich gehen sollte, warum er einmal entschieden hat, den Beruf des Lehrers ausüben zu wollen und ob er diesen noch so ausübt, wie er es sich während des Studiums erträumt hat.
Was ich auch nicht verstehe, warum es keine Zusammenarbeit mit den Eltern gibt. Eltern sind in dieser Schule nicht gern gesehen. Nicht nur, wenn sie wie ich gelegentliche Ärgernisse abändern wollen, sondern generell. Alles was Eltern vorbringen wird abgetan, ohne auch nur darüber nachzudenken. Man habe ja jahrelange Erfahrung. Der gute Ruf der Schule – da ist kein guter Ruf. Man könnte sich ja bemühen, diesen wieder herzustellen. Doch das wird nur gehen, wenn ein paar grundsätzliche Dinge in der Zusammenarbeit mit den Schülern überdacht werden. Angefangen damit, das Schüler keine kleine Soldaten sind. Sondern Menschen, die auch einmal einen Fehler machen dürfen. Ach und falsch erledigte Hausaufgaben sind auch keine vergessenen Hausaufgaben. Wie wäre es, dem Schüler es einfach zu erklären, wie es richtig geht? Schade, das es für Lehrer kein Motivationssystem gibt. Zumindest keines, was sie anspornen würde, ihren Schülern mit Freude etwas beizubringen.
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