Es gibt Bücher, die lassen mich tagelang sehr nachdenklich zurück. So auch Virgin – The point of no return 1 von Susana Dean. Die Autorin kündigte vorher an das Buch sei anders, es sei hart und man müsse damit umgehen können. Was kann schon Schlimmes sein, dachte ich mir. Ich habe schon so viel gelesen, wird schon ok sein. Doch ich sollte mich täuschen.

Als Bordellbesitzer ist Conner Walters von Frauen genervt. Er benutzt sie wie er Lust hat, ist aber eher abgetörnt und gelangweilt von ihnen. Sie haben zu gehorchen und seinen Willen auszuführen. Bis eine Tages, während einer Vorstellungsrunde, ein blondes naives Mädchen seine Aufmerksamkeit weckt. Obwohl sie schrecklich ungelenk tanzt und alles falsch macht interessiert er sich für sie und führt sie in das Gewerbe ein. Er wird jedoch das Gefühl nicht los, das sie nicht so unbedarft ist wie sie tut und stellt Nachforschungen an. Diese ergeben Unglaubliches und stellen Conner vor große Probleme, die ihn in eine von ihm gern verdrängte Zeit seiner Vergangenheit zurückführen.

Autorin Susana Dean verlangt ihren Lesern mit Virgin – The point of no return einiges ab. So ziemlich alles, was einen Erotikroman bisher für mich ausmachte lässt sie weg. Doch trotzdem gelingt es ihr, ein fesselndes und spannendes Buch zu präsentieren. Schonungslos und ohne Tabus zeigt sie Szenen im Leben des Rotlichtmilieus auf. Mit all der Härte, die man als Außenstehender im Bordellbetrieb eventuell erwarten aber nie für möglich halten würde, lässt sie die kleine Romanze zwischen Conner und der blonden Schönheit erblühen. Wer allerdings auf romantische oder gar liebevolle Szenen aus ist, der sucht diese hier vergebens. Keine zärtlichen Worte, kein Herz – Schmerz – Feeling, kein werbendes Gesäusel, nichts von dem, was wir aus anderen Büchern kennen. Knallhart geht es zur Sache, jeder benutzt und nimmt sich, wen oder was er braucht bzw. wonach ihm gerade ist. Unwichtig ob der Gegenüber dabei Schmerzen leidet oder auf das Schlimmste gedemütigt wird.

Über Virgin – The point of no return 1 von Susana Dean habe ich einige Tage nachdenken müssen. Mich haben der soziale und der moralische Aspekt beschäftigt. Warum es überhaupt Menschen geben muss, die so ihren Lebensunterhalt verdienen, sich so erniedrigen und benutzen lassen müssen. Weiter hat mich nachdenklich gemacht, warum ich so unzufrieden war, als das Buch zu Ende war und ich es aber trotzdem gut finde. Sicher liegt das auch an dem bösen Cliffhanger. Doch er alleine ist es nicht. Es ist das fehlende Gefühl der inneren Zufriedenheit, wenn sie sich „gekriegt“ haben und alles gut ausgegangen ist und man mit einem Lächeln einschläft. Kann ein Buch mit dieser Härte und derart abgestumpften Gefühlen ein „übliches“ Ende haben? Ich bin auf die nächsten Teile gespannt.

Erschienen im APP Verlag.