Beiträge über Sterbehilfe und Buchbesprechungen zu diesem Thema habe ich schon ein paar veröffentlicht. In den meisten Fällen ist es den Menschen möglich, die Entscheidung aus dem Leben zu treten, selbst zu treffen. Was aber, wenn man als Mutter diese Entscheidung für sein Kind treffen muss? Wenn man sich entscheiden muss, sein Baby zu töten? Das Baby, auf welches man sich monatelang freut, das das Familienglück perfekt gemacht hätte? Genau vor dieser Entscheidung stand Sandra Wiedemann. Ihre Erfahrungen hat sie in Am Ende aller guten Hoffnung – Sterbehilfe im Mutterleib aufgeschrieben.

In der 25. Schwangerschaftswoche bekommt die junge Frau mitgeteilt, dass ihr Baby nicht lebensfähig sein wird. Ihr wird ein Abbruch nahegelegt. Das Baby im Mutterleib töten? Oder mit ansehen, wie es kurze Zeit leben wird? Ein kurzes Leben unter Qualen und Schmerzen. Ist es Mord, das Kind zu erlösen? Ist es Hilfe für das Kind? Fragen über Fragen, mit denen sich die Mutter auseinandersetzen muss. Sie konsultiert verschiedene Ärzte, die Diagnose bleibt. Mit der diagnostizierten Behinderung würde das Kind nicht lebensfähig sein. Nicht überlebensfähig. Es geht in diesem Buch nicht darum, ob die Eltern mit einem behinderten Kind zurechtgekommen wären. Auch nicht darum, wie die Gesellschaft mit Behinderungen umgeht (auch wenn es ein paar, berechtigte, sozialkritische Ansätze gibt). Es geht einzig und allein um die wohl schwierigste Entscheidung überhaupt – um Sterbehilfe im Mutterleib.

Sandra Wiedemann hat das Buch wie ein Tagebuch aufgebaut. Es sind keine täglichen Einträge, so wird es nicht zu langwierig beim Lesen. Sie fasst ihre berührendsten Gedanken und die für den Leser wichtigsten Fakten zusammen. Auch wenn dieses Buch kein Roman ist und es somit kaum möglich ist, den Leser fortwährend an die Geschehnisse zu fesseln, hat mich das Buch einige Tage nach dem Lesen noch beschäftigt. Selbst jetzt, viele Wochen nachdem ich es gelesen habe, muss ich immer wieder darüber nachdenken, wie man mit so einem Erlebnis weiterlebt.

Das Buch ist voller emotionaler up and downs. Kein Wunder, bei diesem Thema. Sandra Wiedemann beschreibt ihre Gefühle, das Familienleben, ihre Gedanken.

Ich bin nicht sicher, wem ich dieses Buch empfehlen soll. Der Mutter die ähnliches erlebt hat? Eher nicht. Einer Frau, die gerade schwanger ist? Niemals! Alle anderen können gern einmal reinlesen. Mich hat es sehr nachdenklich zurückgelassen und mir wurde bewusst, welches Glück ich doch habe, ein gesundes Kind zu haben.

Erschienen bei Edition Riedenburg.