Auch Geliehene Zeit von Paul Monette ist eines der Bücher, die man immer wieder mal im Kopf hat und darüber nachdenkt. Das Buch ist schon 1999 erschienen. Um diese Zeit herum habe ich es auch gelesen. Und es beschäftigt mich immer noch. Es geht um Aids.

Aids muss ich nicht erklären, darüber sollte jeder Bescheid wissen. Anfang der 80er Jahre war das anders. Da wurde Aids noch totgeschwiegen. Es gab die Krankheit schon und man wusste, wie sie übertragen wird. Lange hielt sich hartnäckig die Meinung, Aids würden nur Homosexuelle bekommen. Als Minderheit wurden sie ausgegrenzt und gemieden.

Paul Monette selbst erzählt in Geliehene Zeit von seinem Leben. Sein Freund Roger Horwitz erkrankt an Aids. Zu dieser Zeit ist auch Paul schon infiziert. Beide kämpfen uns versuchen der Krankheit zu trotzen. Ihre Freunde werden weniger, sie werden gemieden.

Sehr offen und ehrlich erzählt Paul Monette über das Zusammenleben mit seinem Freund während dieser Krankheit. Über finanzielle Nöte, emotionales Chaos.

“Es stimmt, daß zu Zeiten das Aneinanderkuscheln mehr als alle Leidenschaft unser Geschlechtsleben bestimmte. Will sagen: Unsere Beziehung diente uns mehr dazu, Trost und Ruhe zu finden, weniger der Erfüllung unseres körperlichen Begehrens. Roger fühlte sich oft nicht wohl genug, und ich war zu abgespannt, um an Sex zu denken. …Als wir uns das erste Mal nach Rogers Entlassung liebten, weinte er fast unter den Glücksseufzern des Orgasmus.”
Geliehene Zeit von Paul Monette

Noch nie während ich ein Buch gelesen habe, hatte ich das Gefühl, ich würde am Leben eines Freundes teilhaben und seine Ängste und Nöte teilen. Paul beschreibt das Erleben von Aids sehr sachlich, nicht übertrieben oder gar ausschmückend. Und trotzdem ist es für mich eines der emotionalsten Bücher, die ich bisher gelesen habe.

Erschienen bei Bastei Lübbe.

Habt ihr Erfahrungen im Umgang mit Aidskranken? Hemmungen?