Die LitBlog Convention in Köln

LitBlog Convention LBC16, die FAZ und der Feuilleton

Kurz vor der Leipziger Buchmesse lud Bastei Lübbe zu einer Convention im Juni für Literaturblogger ein. Köln ist nicht eben um die Ecke von Görlitz, aber meine Lieblingslektorin Lea (aus Dresden) und ich waren neugierig auf die LitBlog. Wir sind keine Buchblogger, haben aber beruflich wie privat sehr viel Büchern und deren Autoren zu tun. Wir ergatterten für jeweils 27,02 € zwei der wenigen Karten.

Schon am Freitagnachmittag in Köln angekommen schauten wir uns samstagvormittags ein wenig Köln an und begaben uns gegen Mittag zum Verlagshaus Lübbe. Wir wurden freundlich begrüßt und fühlten uns willkommen. Wie immer auf solchen Veranstaltungen gab es ein großes Hallo und man traf auf bekannte Gesichter und an allen Ecken wurde fröhlich geschwatzt.

Nach einer kurzen Ansprache und Vorstellungsrunde der Verlagsmitarbeiter begaben sich die Besucher zu den Veranstaltungen. Schon vor der #LBC16 war das Programm online einsehbar. Es gab Veranstaltungen mit Kristina Günak, Poppy J. Anderson, Frank Schätzing und weiteren Autoren. Da viele Veranstaltungspunkte nichts Neus waren (was für uns kein Problem war, wir wollten uns lieber mit anderen Besuchern austauschen) entschieden Lea und ich uns für den Workshop mit Illustrator Mehdad Zaeri. Unsere Entscheidung konnte besser nicht sein. Mehdad Zaeri erzählte uns, wie er als vierzehnjähriger aus dem Iran nach Deutschland kam und von den darauf folgenden Schwierigkeiten hier in unserem Land. Es war eine sehr berührende Geschichte. Durch seine Zeichnungen verschaffte er sich Anerkennung, setzte sich gegen seine Eltern durch, die ihn lieber als Medizinstudent gesehen hätten.
Er zeigte uns, wie seine Zeichnungen entstehen und wir waren alle tief beeindruckt. In einer Kritzelei sieht er etwas und macht daraus wahre Kunstwerke. Für jeden Teilnehmer des Workshops fertigte er eine Zeichnung auf seinen beim Dumont Verlag erscheinenden Kalender an.

Zusammen mit einer lieben Autorin, Denise von Tapsis Buchblog und Lea verquatschten wir uns im Foyer, bis es an der Zeit war, zum Gespräch von Frank Schätzing und seinem Freund und Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch zu gehen. Das Gespräch selbst war interessant und beide Herren interagierten mit uns Besuchern. Was wir als sehr ärgerlich empfanden war, dass Frank Schätzing nach der Veranstaltung sofort verschwand. Viele hätten gern ein Bild oder ein Autogramm gehabt.
Es folgten noch ein paar Stunden gemütliches und fröhliches Zusammensitzen bei einem Glas Wein.

Die #LBC16 war super organisiert und es gab immer Ansprechpartner. Kaffee, Kuchen, alkoholfreie Getränke und zum Abend Wein und warmes Buffett. Wir haben keine wirklichen Kritikpunkte. Sicher sind die Themen der Panels nichts Neues. Fairerweise muss man aber sagen, wir wüssten auch keine anderen Themen. Viele haben sich darüber geärgert, dass es kaum Veranstaltungen direkt zum Bloggen selbst gab.

Bastei Lübbe hat Bloggern mit der #LBC16 einen Einblick in die Verlagsarbeit und die Entstehung eines Buches gegeben. Eine Veranstaltung direkt auf das Bloggen selbst bezogen sollte von Bloggern durchgeführt werden. Zumal in einem solchen Workshop die Begriffe Reichweite, SEO, Ranking, Google, Social Media und Vernetzen fallen würden. Alle diese Begriffe entlocken vielen Bloggern ein Aufstöhnen. Kommentare wie „ich blogge nur für mich“ und „ist mir egal wie mein Blog gefunden wird“ über „ Hauptsache meine Freunde lesen mich“ folgen prompt.

Was mich zu meinem abschließenden Thema führt. Literaturblogger wollen ernst genommen werden. Das Blogger nicht den ganzen Tag Schokolade knabbernd auf dem Sofa liegen hat sich herumgesprochen. Viele Blogger haben Jobs in irgendeinem Bereich der Literatur. Jetzt kommt wieder einmal ein Journalist, Herr Jungen, daher und meint, er müsse sich über die Buchblogger auslassen.

Sie nennen sich Literaturblogger, rutschen mit Geschrei durch den Bestsellerschlamm und halten bei Facebook oder YouTube reihenweise beschwärmte Titel in die Kamera, von denen man in den Feuilletons des Landes nicht einmal ahnt, dass sie existieren.

Erfüllt ihn seine Arbeit nicht und er wird langsam von Neid zerfressen, da die Literaturblogger es nach und nach schaffen, von Verlagen ernst genommen zu und nicht mehr nur als billiges Marketingobjekt betrachtet werden? Herr Jungen, bloggen ist für die meisten ein Hobby. Was ist so schlimm daran, die von ihnen verschmähten Veröffentlichungen, die die Welt nicht braucht (frei zitiert), von talentfreien Autoren (frei zitiert) zu besprechen? Der Artikel ist sexistisch und beleidigend. Gefrustet von der Seele getippt.

Liebe FAZ, warum gibt es besagten Artikel nicht online? Diesen von einem Journalist verfassten „Artikel“ würden gern alle mit Geschrei durch Bestsellerschlamm rutschenden Blogger lesen. Einen ausführlichen Beitrag darüber hat Saskia auf ihrem Blog Whoiskafka geschrieben.

Zusammenfassend war die LitBlog Convention eine sehr angenehme Veranstaltung. Wir haben viel mitgenommen.

Danke an Bastei Lübbe und die Mitarbeiter der anderen Verlage!

Von |2016-12-26T15:58:12+00:00Dienstag, Juni 7, 2016|Kategorien: Bücher|Tags: , , , , , , |0 Kommentare

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