• Susanne Schomann

Susanne Schomann im Interview

Gern erinnere ich mich an unsere erste Begegnung auf der 2. LoveLetter Convention in Berlin. Sie kam eine Wendeltreppe herunter und lächelte mich an. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer sie war (irgendwie romantisch). Mittlerweile habe ich Susanne Schomann schon mehrfach getroffen und alle ihre Bücher gelesen. Eine Autorenvorstellung von ihr gibt es schon, jetzt war es Zeit für ein ausführliches Interview.

Interviewfragen und Antworten

Wer sollte bei einer Buchverfilmung Deine Hauptcharaktere spielen? Welche ist Deine Lieblings – Hauptfigur? (Protagonist aus den eigenen Büchern)

Hach, Verfilmungen, das wäre schön! Ehrlich gesagt, habe ich noch nie darüber nachgedacht, welcher Schauspieler für einen meiner Helden passend sein könnte. Sollte irgendwann einmal ein Roman von mir verfilmt werden, vertraue ich da ganz und gar auf die Produktion. Wir Autoren haben unseren Part, die Filmleute haben ihren.
Und zum zweiten Teil Deiner Frage, liebe Britt: Natürlich liebe ich sie alle! Für mich ist es höchstens so, dass immer der Held aus meinem aktuellen Manuskript kurzzeitig mein Liebling ist, bis der nächste kommt. Herrje, wie sich das anhört!

Mit welchem deiner männlichen Protagonisten hättest du gerne mal ein Date?

Wenn ich mich schon entscheiden muss, was mir äußerst schwer fällt, bei diesen tollen Kerlen, dann würde ich mich wohl für Alexander Hellberg entscheiden. Ich glaube, der Typ ist eine gute Mischung. Er ist unglaublich sexy, doch gleichzeitig auch so herrlich alltagstauglich, falls Du weißt, was ich meine.

Ja, ich weiß, was Du meinst 😉

Welche Eigenschaft der Protagonisten mag man als Autor so gar nicht?

Sobald sie mir reinreden, kann ich unleidlich werden. Das klingt immer sehr komisch, aber ich glaube, jeder Autor kennt diese Situation. Da sitzt der Kerl oder das Mädel plötzlich vor dir (also im übertragenen Sinne) und meckert rum. Das kann nerven, weil es u.U. jede Menge Zeit kostet. Irgendwann lernt man allerdings, dass sie meistens recht haben und nimmt diese Entwicklung etwas gelassener hin.

Die Lunau Reihe

Die Lunau Reihe

Lässt Du sich die Geschichte entwickeln oder schreibst Du ganz akkurat nach dem ausgearbeiteten Plot?

Da mein Verlag ein gut ausgearbeitetes Exposé voraussetzt, muss der Plot vorher stehen. Die Geschichte entwickelt sich dennoch während des Schreibprozesses weiter und das ist auch in Ordnung so. Manchmal fallen Charaktere ganz heraus, oder es schummelt sich plötzlich jemand ins Manuskript, der im Exposé überhaupt noch nicht auftaucht. Das ist mir z.B. mit Ruth Rogalski passiert, die in „Wilder Wacholder“ ihren ersten Auftritt hatte. Jeder, der „Wilder Wacholder“ und „Der Holundergarten“ gelesen hat, weiß, wie wichtig dieser Charakter geworden ist. Ruth ist mir ans Herz gewachsen, ich möchte sie nicht mehr missen und ich bin mir sicher, dass das auch meinen Lesern so ergeht.

Was ist das Schlimmste am Schreiben? Der Plot oder das Ausarbeiten und den Plot zu einer Geschichte schreiben?

Schlimm am Schreiben finde ich überhaupt nichts. Es ist meine große Leidenschaft. Ein Exposé zu verfassen, fällt mir aber deutlich schwerer als einige hundert Romanseiten zu schreiben. Solange ich genug Zeit habe, läuft das von ganz allein.

Wieviel Realität steckt in deinen Büchern? Verarbeitest Du gute und schlechte Erlebnisse darin oder alles Fiktion?

Ich unterscheide da ganz klar. Erfahrungen sind eine Sache, Erlebnisse eine andere. Für mich ist es völlig normal, dass eigene Erfahrungen in den Schreibprozess einfließen. Bei mir betrifft das aber vor allem das Alltägliche miteinander. Der Umgang zwischen den Menschen, bekannte Abläufe etc.
Meiner Meinung nach, haben echte eigene Erlebnisse in einer fiktiven Geschichte nichts zu suchen.

Wo kommen Dir die Ideen zu Deinen Geschichten? Woher das Aussehen der Personen? Pure Fantasie oder Fanmodus von Schauspielern, Bands etc.? Welchen?

Da ich stets das Gefühl habe, dass meine Helden mich aussuchen und nicht umgekehrt, sind sie ein reines Produkt meiner Fantasie. Ich bin Schriftstellerin und meine Arbeit lebt von meiner Vorstellungskraft. Mir einfach einen tollen Mann aus einem Film auszusuchen, und den dann zu beschreiben? Nein, dabei würde ich mich überhaupt nicht wohlfühlen! Das wäre mir entschieden zu einfach. Mit meinen Helden würde das auch gar nicht funktionieren. Sie kommen zu mir und bringen ihr Aussehen mit, so einfach ist das. Ich beschreibe sie dann nur.

Keine Reihe, aber bekannte Gesichter tauchen immer mal auf ;)

Keine Reihe, aber bekannte Gesichter tauchen immer mal auf 😉

Kennst Du Schreibblockaden? Wenn ja, was tust Du dagegen?

Eine echte Schreibblockade habe ich noch nicht gehabt. Es gibt halt Tage, da läuft es besser, an anderen wieder nicht. Ich glaube, man darf nur nicht sofort in eine wilde Panik verfallen, wenn man mal einen von den schlechteren Tagen erwischt.

Was steht auf dem Schreibtisch, während Du arbeitest? Kaffee, Tee, Schokolade, Kekse?

Die Frage wird immer wieder gerne gestellt. Bei mir steht da vor allem Kaffee, Kaffee … und ach ja, Kaffee. Na ja, eine Flasche stilles Wasser ist auch dabei. Schoki und Kekse verkneife ich mir, solange es geht. Direkt vor einem Abgabetermin ändert sich das meistens.

Prokrastinieren – Facebook und co. oder lässt Du Dich nicht ablenken? Ist Prokrastination evtl. sogar wichtig?

Ich halte Prokrastination sogar für sehr wichtig, weil es zum eigentlichen kreativen Prozess dazugehört. Mein ältester Sohn sagte als Abiturient mal: „Ich habe solange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“. Ich finde, in diesem Satz steckt eine Menge Wahrheit. Allerdings muss ich zugeben, dass ich unfassbar fleißig sein kann, wenn es ums Schreiben geht. Prokrastination lasse ich aus o.g. Gründen also zu, finde aber immer rechtzeitig den Absprung und dann glüht die Tastatur.

Lektorat – Bist Du manchmal anderer Meinung wie der Lektor? Wie schnell werdet ihr euch einig?

Ich vertraue meiner Lektorin und sie mir, das kann viele Abläufe vereinfachen. Wir mögen uns und diskutieren selten bis gar nicht. Sobald sie der Meinung ist, dass eine Szene so nicht funktioniert, wie ich sie mir anfangs gedacht habe, und sie mir für ihre Entscheidung eine schlüssige Erklärung abliefern kann, ändere ich die Szene, bis wir beide damit glücklich sind.

Hattest Du ein peinliches oder lustiges Erlebnis auf einer Lesung?

Lustige Erlebnisse hat man auf Lesungen immer, doch diese entstehen meist aus einer Situationskomik heraus. Peinlich ist mir höchstens meine beharrliche Aufregung vor Lesungen, die mich wirklich fertigmacht und einen ausgeprägten Fluchtinstinkt in mir hervorruft, den ich allein mit meiner Vernunft bekämpfe. Wenn ich dann aber lese und mich mit dem Publikum austausche, finde ich es jedes Mal ganz wunderbar!

Ab wann hat Dich Dein Umfeld ernst genommen und Freunde / Bekannte / Familie Deine Arbeit als Autor respektiert?

Unterdessen habe ich die Erfahrung gemacht, dass nur sehr wenige Freunde mit meiner Arbeit … sagen wir mal … klarkommen. Echte Freunde freuen sich aber mit mir und respektieren auch meine Rückzüge, sobald ich intensiver im Schreibprozess stecke.
Meine Familie stand immer uneingeschränkt hinter mir und unterstützt mich, wo sie nur kann.

Susanne Schomann

Susanne Schomann

Wie kommt Deine Familie damit klar, wenn Du über dem Schreiben alles um Dich herum vergessen hast?

Siehe oben. Sehr gut, auch wenn sie manchmal darunter zu leiden hat. Ohne meine Familie, besonders ohne meinen Mann, würde das alles nicht so gut funktionieren.

Wie gehst Du mit negativer Kritik, schlechten Rezensionen um?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mich bisher kaum mit schlechten Rezensionen auseinandersetzen musste. Vorgekommen sind sie dennoch. Mit sachlicher Kritik muss und sollte man sich auseinandersetzen. Sobald Rezensionen allerdings unsachlich formuliert wurden und man ihnen deutlich anmerkt, dass das Buch überhaupt nicht wirklich gelesen wurde, ist das für einen Autor schon sehr ärgerlich. Der eigentliche Ursprung von Rezensionen liegt eigentlich darin, reine Buchempfehlungen auszusprechen, das wird heute leider oft vergessen.

Der Beruf des Autors – Liebe und Leidenschaft oder kann man ihn mit dem täglichen zur Arbeit gehen vergleichen? Hast Du feste Schreibzeiten?

Für mich ist und bleibt es mein Traumberuf. Ich liebe es, Geschichten zu erfinden und sie aufzuschreiben. Natürlich gibt es aber auch in diesem Beruf Dinge, mit denen man sich befassen muss, die nicht so viel Spaß machen. Die Buchhaltung und die Steuererklärung zum Beispiel.  Und ja, überwiegend habe ich feste Schreibzeiten, die ich aber ohne Skrupel nach Bedarf (vor Abgabeterminen) anpasse, bzw. ausweite.

Schriftsteller heute und früher – Was hat sich verändert? Wurden Autoren früher mehr geachtet?

Komisch, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Sollte ich vielleicht mal. Hm…

Wie gehst Du mit der Veränderung des Marktes um? Immer mehr Menschen meinen, ein Buch schreiben zu müssen. Sollte man als Autor eine „Lehre“ machen müssen, das Handwerk lernen oder soll weiterhin jeder schreiben, der sich dafür geeignet hält?

Das ist eine schwierige Frage, die man nur subjektiv beantworten kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich um eine Begabung handelt, die man hat oder eben nicht. Natürlich entwickelt man sich weiter, lernt dadurch auch mehr vom Handwerk des Schreibens, aber ich glaube nicht, dass man es von Grund auf ‚lernen‘ kann, wenn das Talent fehlt. Die Begabung ist es, was den Unterschied ausmacht und worauf es ankommt. Meine Meinung!

Arbeitsplatz Susanne Schomann

Arbeitsplatz Susanne Schomann

Die Sprache – schreiben wie man spricht, wenn möglich noch mit Dialekt, oder hochdeutsch? Verändert das Schreiben Deine Artikulation im täglichen Miteinander?

Ja, das Schreiben verändert. In Gedanken verbessere ich oft meine Mitmenschen und finde diesen Vorgang in meinen Kopf ganz schrecklich, weil ich selbst gerne rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist und es mich eigentlich auch gar nicht stört. Es ist mehr ein Automatismus, gegen den ich mich nicht wirklich wehren kann. Als gebürtige Hamburgerin kann ich sogar noch richtig plattdeutsch verstehen und teilweise auch sprechen. Der typische Klang ist in meiner täglichen Sprache auch absolut erkennbar und ich nehme an, dass ihn jeder heraushört, der aus einer anderen Gegend von Deutschland kommt. Vielleicht fließt das auch in meine Romane ein. Absicht ist das aber nicht.

Wie wichtig erachtest Du soziale Netzwerke, wie gehst Du damit um?

Facebook ist für mich ein ständiger Begleiter geworden, wenn man so will. Ich mag es auch sehr, denn es eröffnet die Möglichkeit, mit den Lesern und Bloggern in Kontakt zu stehen, das halte ich für wichtig und es macht auch noch sehr viel Spaß. Twitter habe ich versucht, aber das liegt mir einfach nicht.

Messen und Conventions – als Dank für Lesertreue oder eher nur Stress? Was bringt es Dir persönlich, Kontakt mit Deinen Lesern zu haben?

Ich liebe es! Diese Veranstaltungen machen mir unglaublich viel Spaß. Natürlich ist es auch Stress, das merkt man aber immer erst, wenn man auf dem Weg nach Hause ist. Für mich ist es aber durchweg positiver Stress. Es bringt so viel, mit den Lesern in persönlichen Kontakt treten zu können. Die Gespräche und die lustigen Begebenheiten, die ich bisher auf den Conventions und Messen hatte, werden für mich immer unvergesslich bleiben.

Fans – wieviel Fan – Nähe erträgt ein Autor? Musstest Du schon einmal unbequeme Entscheidungen treffen?

Das ist ein weites Feld. Alles in allem, neige ich immer eher dazu, alles positiv zu sehen. Meine Leser sind mir bisher überwiegend ausgesprochen freundlich und respektvoll begegnet, darüber bin ich dankbar. Und ich muss auch zugeben, dass ich es sehr genieße, Menschen zu begegnen, die mich mit kleinen Geschenken überraschen, z.B. meine bekannte Vorliebe für Schokolade kennen und mir welche zu Veranstaltungen mitbringen. Ich finde das total lieb und freue mich jedes Mal sehr darüber.
Inzwischen fällt es mir nicht schwer, zu sagen, dass mit der Zeit sogar Freundschaften entstanden sind. Ich mag das und bin dankbar dafür.
Enttäuschungen werden im Leben jedoch niemals ausbleiben. Das kann einem ja auch im privaten Leben passieren und man muss dann darauf reagieren. In so einem Fall habe ich auch keinerlei Probleme damit, Menschen wieder aus meinem Leben zu streichen, sollten sie mir nicht guttun.

Buchpreisbindung in Deutschland – gut oder nicht gut?

Gut und wichtig!

Illegale Downloads – wie sehr wirken sie sich aus? Wie würdest Du Fans gegenübertreten, von denen Du weißt, sie loben Deine Bücher, haben sie aber auf illegalem Weg bezogen?

Das ist und bleibt Piraterie und damit ein Verbrechen! Für mich sind das keine Fans, sondern Betrüger. Punkt. Leute, die so etwas tun, schaden uns Autoren unglaublich und gehen letztlich nur das Risiko ein, dass schon sehr bald niemand mehr da sein wird, der es sich leisten kann, Bücher zu schreiben. Die Bücher, von denen diese Verbrecher ja auch noch behaupten, sie würden sie lieben, würden sehr bald vom Markt verschwinden. Ach, im Grunde fehlen mir da die richtigen Worte, so wütend macht mich das.

Arbeitsplatz Susanne Schomann

Arbeitsplatz Susanne Schomann

Was hältst Du von Aussagen wie „ mein Buch ist billiger als Dein Kaffee.“

Mit dieser Aussage kann ich erst einmal gar nichts anfangen, hab sie auch noch nie gehört. Ist vielleicht an mir vorbeigegangen, das kann mal passieren.

Möchtest Du Deinen Lesern etwas mit auf den Weg geben? Gibt es etwas, das Du noch loswerden möchtest?

Ja, erst einmal möchte ich mich bei jedem Leser bedanken, der meine Bücher ehrlich erwirbt und dann mit Freuden liest.
Hört nicht auf zu lesen!
Schreibt Rezensionen, denn die werden immer wichtiger!
Und lasst vor allem die Verlage wissen, wenn Euch ein Autor oder ein Buch besonders gut gefällt!

Ich danke Dir für diese tollen Fragen, liebe Britt!

Ich danke Dir für Deine Zeit liebe Susanne!

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