Es ist schon etwas länger her, da traf ich Autorin Marah Woolf auf der Leipziger Buchmesse und nahm den ersten Band der Bookless Saga mit. Da hatte sie mich schon. Vor kurzem las ich die Mond Silber Licht Saga und Federleicht. Es war Zeit, der Autorin ein erneut ein paar Fragen zu stellen.

Interview

Wer sollte bei einer Buchverfilmung Deine Hauptcharaktere spielen? Welche ist Deine Lieblings – Hauptfigur? (Protagonist aus den eigenen Büchern)

Boah – was ist das denn für eine schwierige erste Frage 😉 ? Keine Ahnung. Ich bin da völlig ahnungslos. Weil ich mir keine Schauspieler merken kann. Ich wusste nur immer, dass Dr. Erickson von Sean Connery gespielt werden soll (der jetzt leider in Rente ist). Sophie von Meryl Streep – weil ich sie einfach liebe und Ethan von Pierce Brosnan – lach. Also völlig unrealistische Vorstellungen. Meine Lieblingsfigur ist sicher Emma, weil sie irgendwie ein Teil von mir ist.

Mit welchem deiner männlichen Protagonisten hättest du gerne mal ein Date?

Dreimal darfst du raten – mit Calum natürlich ;-). Ich habs vermutet 😀

Mond Silber Licht Saga von Marah Woolf

Mond Silber Licht Saga von Marah Woolf

Welche Eigenschaft der Protagonisten mag man als Autor so gar nicht?

Sie dürfen nicht zickig und nicht nachtragend sein. Das hasse ich auch im wahren Leben.

Lässt Du sich die Geschichte entwickeln oder schreibst Du ganz akkurat nach dem ausgearbeiteten Plot?

Ich schreibe einfach drauflos und habe maximal ein paar Zettelchen herumfliegen. Meistens habe ich den Anfang und das Ende einer Geschichte im Kopf und alles andere läuft dann als Film vor meinem inneren Auge ab. Ich schreibe dann nur noch mit ;-).

Was ist das Schlimmste am Schreiben? Der Plot oder das Ausarbeiten und den Plot zu einer Geschichte schreiben?

Da gibt es nichts Schlimmes, es ist und bleibt ein Traumjob. Das Schlimme ist, dass ich nicht so schnell schreiben kann, wie die Geschichten in meinen Kopf kommen. Manchmal fühle ich mich wie eine gespaltene Persönlichkeit, weil manche Protas einfach nicht verschwinden, sondern ständig wieder anklopfen.

Leseplatz

Leseplatz

Wieviel Realität steckt in deinen Büchern? Verarbeitest Du gute und schlechte Erlebnisse darin oder alles Fiktion?

Im Grunde ist alles Fiktion. Aber ganz sicher fließt die ein oder andere Erfahrung und das ein oder andere Erlebnis ein. Das lässt sich gar nicht verhindern und macht die Bücher ja auch alle einzigartig, weil jeder Autor eine eigene Persönlichkeit ist.

Kennst Du Schreibblockaden? Wenn ja, was tust Du dagegen?

Kenne ich leider gar nicht, wünsche ich mir manchmal. Dann könnte ich in Ruhe bügeln und putzen ;-).

Was steht auf dem Schreibtisch, während Du arbeitest? Kaffee, Tee, Schokolade, Kekse?

Kaffee, Wasser, Obst oder Schokolade – das kommt darauf an, in welcher Schreibphase ich gerade bin. Am Anfang eines Buches Obst und Wasser – zum Schluss Schoki und Rotwein – oder Schnaps 

Bookless Saga

Bookless Saga

Prokrastinieren – Facebook und co. oder lässt Du Dich nicht ablenken? Ist Prokrastination evtl. sogar wichtig?

Doch ich lasse mich ablenken – FB ist so was wie mein Büroklatsch und das braucht man ja auch manchmal.

Lektorat – Bist Du manchmal anderer Meinung wie der Lektor? Wie schnell werdet ihr euch einig?

Bis jetzt war ich für jeden Hinweis sehr dankbar, hatte aber auch noch nie eine Lektorin, die partout anders wollte als ich.

Hattest Du ein peinliches oder lustiges Erlebnis auf einer Lesung?

Da ich gar nicht so viele Lesungen mache, eigentlich nicht. Bisher war es einfach immer voll nett.

Arbeitsplatz von Marah Woolf

Arbeitsplatz von Marah Woolf

Ab wann hat Dich Dein Umfeld ernst genommen und Freunde / Bekannte / Familie Deiner Arbeit als Autor respektiert?

Ich wurde immer ernst genommen ;-). Okay, am Anfang habe ich es nicht groß an die Glocke gehängt und dann so nach und nach erzählt. Ich hatte Glück, dass ich keine lange Durststrecke zu überwinden hatte und meine Leser meine Bücher von Anfang an mochten. Also niemand in meiner Familie dachte – was macht sie denn jetzt schon wieder.

Wie kommt Deine Familie damit klar, wenn Du über dem Schreiben alles um Dich herum vergessen hast?

Die sind das ja nun seit ein paar Jahren gewöhnt. Meinen Großen stört eher, dass ich ständig da bin, wenn er aus der Schule kommt und meine Kleine denkt sich selbst Geschichten aus. Ich nehme mir immer vor, nachmittags den Rechner auszumachen, das klappt aber meist nie.

Zuckergussgeschichten

Zuckergussgeschichten

Wie gehst Du mit negativer Kritik, schlechten Rezensionen um?

Beim ersten Mal war ich geschockt und mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Zum Glück werde ich nicht sooo oft kritisiert. Es ist einfach so, dass meine Bücher nicht jedem gefallen können. Das wäre ja total unrealistisch. Ich schaue, welche Kritik konstruktiv ist und die nehme ich mir zu Herzen. Alles andere ist einfach Ansichtssache. Mir gefällt auch nicht jedes Buch.

Der Beruf des Autors – Liebe und Leidenschaft oder kann man ihn mit dem täglichen zur Arbeit gehen vergleichen? Hast Du feste Schreibzeiten?

Vergleichen kann man das sicher nicht. Zur Arbeit geht man acht Stunden und dann geht man nach Hause. Meine Protas lungern 24 Stunden und 7 Tage die Woche in meinem Kopf. Wenn ich mich mal zwinge nicht zu schreiben, dann kriege ich Entzugserscheinungen. Das hatte ich als Bankangestellte nie :-).

Marah Woolf

Marah Woolf

Schriftsteller heute und früher – Was hat sich verändert? Wurden Autoren früher mehr geachtet?

Ich war ja früher kein Autor . Aber es ist sicher so, dass die Masse an Texten/Büchern etc. die heute geschrieben wird zu einer Inflation des Wortes geführt hat. Die Auswahl an Büchern ist riesig und gute Autoren gibt es viele. So wird es immer schwieriger, dem einzelnen Buch und Autor die Beachtung zu schenken, die er verdient – das sage ich jetzt als Vielleserin.

Wie gehst Du mit der Veränderung des Marktes um? Immer mehr Menschen meinen, ein Buch schreiben zu müssen. Sollte man als Autor eine „Lehre“ machen müssen, das Handwerk lernen oder soll weiterhin jeder schreiben, der sich dafür geeignet hält.

Ich habe einfach drauflosgeschrieben und das mit ganz viel Leidenschaft und Herzblut. Erst später habe ich mich mit dem Aufbau von Geschichten und dem Handwerk des Schreibens näher befasst. Sind meine Bücher deswegen besser? Ich weiß es nicht – vielleicht ausgefeilter und schöner geschrieben. Aber MondSilberLicht bleibt mein Flagschiff. Ich sage immer, ein Buch ist erst gut genug, wenn ich beim Schreiben lachen, weinen, schreien musste und noch Gänsehaut bekam. Dann kann ich es loslassen – vorher nicht.
„Bücher besitzen eine eigene Persönlichkeit. Mal sind sie liebenswürdig und friedlich, mal störrisch und eitel. Einem Buch muss man auf behutsame Weise begegnen, damit es seine Geheimnisse preisgibt. Dann lässt es den Leser in seine Welt.“ Das habe ich in Bookless Wörter durchfluten die Zeit geschrieben und genauso ergeht es auch mir als Autor mit meinen Geschichten. Da darf man nicht dran herumzerren und nach einem Masterplan dran herumfeilen, weil es genauso in einem Ratgeber steht. Sie kommen, wenn sie kommen wollen und dann manchmal mir Urgewalt – leider kann ich nur mit drei Fingern tippen ;-).

Die Sprache – schreiben wie man spricht, wenn möglich noch mit Dialekt, oder hochdeutsch? Verändert das Schreiben Deine Artikulation im täglichen Miteinander?

Nein eigentlich nicht. Vielleicht gehe ich heute behutsamer mit Sprache um.

Wie wichtig erachtest Du soziale Netzwerke, wie gehst Du damit um?

Für mich das wichtigste Kommunikationsmedium mit meinen Lesern überhaupt. Ich poste viel und regelmäßig, nicht zu privat und doch nah genug, damit meine Leser sicher sein können, dass auch ich mit Wasser koche. Wenn ich dann koche, das macht nämlich mittlerweile mein Mann.

Messen und Conventions – als Dank für Lesertreue oder eher nur Stress? Was bringt es Dir persönlich, Kontakt mit Deinen Lesern zu haben?

Also ich finde Buchmessen toll. Da ist man dann mal draußen, trifft Fans und Kollegen. Für mich ist das kein Stress, ich hocke ja sonst nur am Tisch und starre in den Garten. Ich mag es sehr, mal draußen zu sein und mit Menschen über Bücher zu quatschen. In meiner Familie dreht sich sonst alles um Musik und da kenne ich mich gar nicht aus.

Fans – wieviel Fan – Nähe erträgt ein Autor? Musstest Du schon einmal unbequeme Entscheidungen treffen?

Nein. Ich habe nur nette Fans, wurde noch nie beschimpft und habe noch nie diese berühmt berüchtigten P-Fotos bekommen. Ich denke, mein Genre gibt das nicht her. Ich fühle mich nicht verfolgt und hatte noch nie mit Fans oder Kollegen zu tun, die mir nicht wohlgesonnen waren und darüber bin ich sehr froh. Vermutlich polarisieren weder meine Bücher noch ich genug.

Buchpreisbindung in Deutschland – gut oder nicht gut?

Ich finde es gut und von mir aus kann es so bleiben, wie es ist. An den E-Book-Preisen sollten die Verlage jedoch arbeiten.

Illegale Downloads – wie sehr wirken sie sich aus? Wie würdest Du Fans gegenübertreten, von denen Du weißt, sie loben Deine Bücher, haben sie aber auf illegalem Weg bezogen?

Ich beschäftige mich mit so etwas nicht. Ich bin ja kein Don Quichotte. Ich lasse meine Bücher über Counterfight von den illegalen Plattformen löschen und das ist, was ich tun kann. Ich bin auch nicht das Gewissen der Nation, obwohl ich natürlich immer mal auf das Problem hinweise. Damit klarkommen, dass er stiehlt, muss der Betroffene selbst. Ich will ehrlich gesagt auch gar nicht wissen, wer meine Bücher illegal bezieht und sie dann toll findet. Das wäre mir zu viel negative Energie.

noch ein Arbeitsplatz Marah Wolf

noch ein Arbeitsplatz Marah Wolf

Was hältst Du von Aussagen wie „ mein Buch ist billiger als Dein Kaffee.“?

Ich habe gestern in München ein Coconut Frappé getrunken für 5,40 €. Das ist schon der Hammer – da kam mir dieser Gedanke durchaus unter. Das sind 11 DM. Aber was soll es – bringt mich nicht weiter. Amüsant ist es alle Mal. Ich denke, Aufklärung ist auch hier besser als Belehrung und Besserwisserei.

Möchtest Du Deinen Lesern etwas mit auf den Weg geben? Gibt es etwas, das Du noch loswerden möchtest?

Ich habe es schon soooo oft gesagt. DANKESCHÖN. Ohne meine treuen Leser wäre ich nichts und meine Bücher auch nicht. Also hoffe ich einfach, dass ich Euch noch ganz lange mit meinen Geschichten verzaubern und begeistern kann. Und dann wünsche ich Euch Gesundheit, Glück und noch einen ganz tollen Sommer mit vielen Büchern zum Abtauchen.

Homepage der Autorin: Marah Woolf

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