Ein Aufschrei geht am 16.03. durch die Social Media und wirft einen traurigen Schatten auf die Leipziger Buchmesse. Eine Autorin wurde aufgrund ihres Buches angegriffen.

Zuerst erwähnt werden die Geschehnisse auf dem Blog eines ihrer Kollegen. Dieser war am Sonntag, dem 15.03. auf der LBM mit ihr verabredet.
Die Autorin erschien jedoch nicht. Er machte sich Sorgen um sie und erhielt später eine Mail von ihr.

Diese Mail zitiert er auf seinem Blog. Der Leser schließt schnell draus, dass die betreffende Autorin wohl am Samstag in Leipzig überfallen und verprügelt worden sein soll. Ihren eigenen Angaben zufolge geschah dieser Angriff aufgrund einer Passage ihres neuesten Buches, in der sie so genannte „Ehrenmorde“ thematisiert. Die Angreifer sollen sie als „Feind Allahs“ beschimpft und ihr vorgeworfen haben ihre Kultur zu beleidigen.

Eine schlimme Sache, so ein Überfall. Und, so glaubt man, eine Tat die Spuren hinterlässt und Zeugen gehabt haben muss.
Auf dem Blog des mit der betreffenden Autorin befreundeten Kollegen wird behauptet, sie hätte den Vorfall zur Anzeige gebracht.

Doch auch über eine Woche später liegt der Polizei wohl noch keine diesbezügliche Anzeige vor.

Stattdessen werden eine Woche nach dem schrecklichen Erlebnis der Autorin rasch nacheinander Presseartikel zu dem Angriff veröffentlicht. Jeder davon enthält Hinweise auf das neueste Buch jener Autorin, in dem sich die Passage über das Ehrenmordthema befindet. Einige Medien sind so nett und weisen auch auf andere Bücher der Autorin hin.

Zwar betont die Autorin in ihren Aussagen es läge ihr fern, Vorurteile gegenüber Muslimen zu schüren. Dennoch geschieht offenbar genau dies, denn einschlägige Blogs wie „Dschihad Watch“ und die Pegida Facebookpräsenz nehmen den Vorfall dankbar auf und verbreiten ihre ganz eigene Sicht auf den Vorfall. Auch seriösen Medien ist die Story einen Artikel wert. Doch auch die NPD nahe „Junge Freiheit“ thematisiert die Geschichte.

So furchtbar dieser Angriff erscheint, löst er zugleich auch Fragen aus. Einiges scheint in den Darstellungen der Autorin zu dem Vorfall nicht ganz stimmig.
Ich bitte nachfolgend aufgeführte Sammlung an Unklarheiten nicht wertend zu nehmen.

– Laut Presse erfolgte die Tat am Mittwoch, dem 11.03. in Leipzig nach einer Lesung, während die Autorin auf dem Weg ins Hotel zurück ist – am Mittwoch hatte die Autorin jedoch keine Lesung (jedenfalls findet sich bislang keine Angaben zu Ort, Besuchern und Zeitpunkt, jener Lesung)

– Wie Bilder im Internet belegen, war die Autorin am Donnerstagmorgen bei einem gemütlichen Frühstück und während der folgenden Messetage auf weiteren, nachweisbaren, Lesungen fröhlich unterwegs.

– Laut Aussage des Kollegen, der jenen ersten Blogpost veröffentlichte, nehme die Autorin ihre Verpflichtungen ihren Lesern gegenüber sehr ernst und hätte deshalb keinen ihrer Lesungstermine abgesagt.

– (DAS VERSTEH ICH NICHT: Wenn er sie (laut eigener Aussage) schon während der Messe als sehr schmerzerfüllt erlebt hat, warum hat er dann am Sonntag auf sie gewartet? Wusste er doch schon, es geht ihr nicht gut.)

– Warum liegt bis heute keine Anzeige vor?

– Wo kamen die Täter plötzlich her? Es gibt offenbar keinen Nachweis über eine Lesung am Mittwochabend in Leipzig. Sind die Angreifer der Autorin daher etwa von einer anderen Lesung nach gereist, um sie anzugreifen? Schreckliche Vorstellung!

Allen Autoren alles Gute! Und – die meisten Hotelparkplätze sind videoüberwacht! Habt keine Angst! Oder schreibt über Einhörner ☺

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