Ein Haustier gehen lassen zu müssen ist schrecklich. Bei uns war es gestern wieder einmal soweit. Meerschweinchen Speedy hat nach wirklich schweren Tagen selbst entschieden, nach der Narkose während des Aufwachens doch lieber weiter zu schlafen. Nachdem sie die beiden Tage zuvor kaum Schlaf bekommen hat, kann ich sie verstehen. Selbst wenn sie aus der Narkose wieder aufgewacht wäre, man hätte uns nahe gelegt sie zu erlösen.

In der Nacht von Freitag auf Samstag machte Speedy komische Geräusche in der Nacht. Ich dachte sie schläft und träumt. Da sie im Versteck lag, konnte ich sie nicht sehen und habe sie in Ruhe gelassen. Samstag vormittags sahen wir dann, das ihr rechtes Auge total rot war. Noch gingen wir von einer Bindehautentzündung aus. Der diensthabende Tierarzt wohnte außerhalb und hatte erst am späten Nachmittag Zeit. Während wir darauf warteten mit dem Schweini zum Arzt fahren zu können, ist das Auge extrem angeschwollen. Nach außen, es sah schlimm aus. Der Tierarzt gab Speedy zwei Spritzen und uns ein Antibiotikum mit. Weitere Untersuchungen hat er nicht für notwendig gehalten. Die darauffolgende Nacht lag die Kleine fast nur ständig unter der Rotlichtlampe. Nur zum Fressen kam sie da hervor. Sie hat gut gefressen. Das war immer ihre Leidenschaft. Egal was, Hauptsache ihre Menschen hatten etwas zu knabbern dabei. Der Sonntag war einer der schrecklichsten Tage. Ich hätte nie gedacht, das ein Meerschweinchen so wimmernde Geräusche machen kann. Montag ab zum Tierarzt. Zu demjenigen, wo wir schon 15 Jahre mit unserem Hund hingegangen sind, selbst um diesen einzuschläfern. Dort sah man das Problem sofort und hat während der regulären Sprechstunde operiert. Aber Speedy wollte nicht mehr. Sie hätte auch kein schmerzfreies Leben mehr gehabt. Unter dem Auge waren Tumore, ihr ganzer Körper voll davon. Ich weiß nicht mehr, wie die Krankheit heißt, die uns die Tierärztin sagte. Eine Krebsform, die Meerschweinchen und Katzen haben können.

Schon als ich Speedy im Zooladen kaufte war sie schwer krank und wir haben sie mit Hilfe des Tierarztes retten können. Einfach mal darauf achten, ob sich die Tiere in der Zoohandlung übermäßig jucken und unruhig oder apathisch wirken. Zoohandlungen kaufen Tiere auch an, ohne zu wissen, ob da Geschwister verpaart wurden oder nicht. Und der willige Käufer hat davon keine Ahnung. Nein, er denkt sogar sein neues geliebtes Haustier stammt aus einer Zucht.

Wir Menschen sind ja auch komisch in unserer Denkweise. Warum zerreißt es einen immer so? Sicher ist es traurig, ein Haustier gehen zu lassen. Wenn es für das Tier besser ist als sich zu quälen, hat es vielen Menschen etwas voraus. Zumindest darf man sie erlösen. Aktive Sterbehilfe an Tieren darf im Gegensatz zu Menschen praktiziert werden. Speedy hatte uns die Entscheidung abgenommen. Irgendwie bin ich ihr dafür ein wenig dankbar, auch wenn ich mich gern verabschiedet hätte. Mit jedem Tier, das man ziehen lassen muss, tut es mehr weh. Immer denkt man es geht nicht mehr weiter, die Welt steht still, nichts geht mehr. Man kann nicht mehr. Wird man je wieder lachen können? Darf man je wieder lachen? Ja, es geht weiter und man wird auch wieder lachen können. Doch erst muss man verarbeiten und verstehen. Wissen heißt nicht verstehen. Ich weiß, das es für Speedy besser war zu gehen. Ebenso wie ich weiß, das es richtig war meinen Hund 2009 gehen zu lassen. Trotzdem tut es weh. Trotzdem fühlt man sich innerlich total leer. Trotzdem fehlt etwas, jemand.

Nie wieder wird sie mich begrüßen wenn ich in die Küche komme. Nie wieder wird sie im Käfig herum springen und mit Absicht die Einstreu wie Schnee regnen zu lassen. Nie wieder wird das frechste Meerschweinchen der Welt auch nach der Fütterung noch nach etwas anderem fordern. Ein Stück Gurke oder etwas Apfel. Egal, Hauptsache es gab noch etwas. Speedy war nicht handzahm, genoss es jedoch hin und wieder sich hinter den Ohren kraulen zu lassen. Nur fünf Jahre durfte sie bei uns sein. Ich hab Dich lieb und werde Dich vermissen kleine Speedy.

Für mich wird immer klarer, das ich keine Tiere mehr möchte. So sehr sie einem auch Freude bringen und so toll die Zeit mit ihnen auch ist – nichts kann diesen Schmerz aufwiegen, wenn man ein Haustier gehen lassen muss. Mit jedem Tier tut es mehr weh und jedes Mal geht ein Stück von einem selbst. Vielleicht gibt es diese Regenbogenbrücke ja wirklich. Zumindest gefällt mir der Gedanke, das Speedy zusammen mit unserem Hund jetzt schmerzfrei herumtollt. Ihr Körper ruht unter einem Pfirsichbaum. Danke, das wir Dich kennen durften süße Speedy.